#bkc12 Verantwortung abgeben – Teil 2

Wie schon bei der Session am Morgen, von der ich hier berichtet habe, tauchte auch am Nachmittag auf dem Bib meets Knowledge Camp 2012 das Thema Verantwortung abgeben – nicht ganz unerwartet – wieder auf. Diesmal bei der Session Essen und Trinken im Lesesaal. Es ging in der Session darum, warum Essen und Trinken im Lesesaal nicht erlaubt ist und ob das so bleiben soll. Die meisten TeilnehmerInnen an der Session schienen nicht darauf festgelegt zu sein, Regeln zu behalten, nur weil sie halt bestehen. Aber wir sind trotzdem auf gute Gründe dafür gekommen, dass es Bereiche in der Bibliothek gibt, in denen nicht gegessen und getrunken wird.

Bei diesen guten Gründen geht es nicht um die Angst davor, dass Bücher beschädigt werden könnten, in kaum einer Bibliothek sind durch Speis und Trank beschädigte Bücher ein Problem. Und das, obwohl sicher in den meisten Bibliotheken, wenn auch oft heimlich, gegessen und getrunken wird. Gute Gründe gegen das Essen im Lesesaal sind die Bedürfnisse der anderen BibliotheksbesuchrInnen, die ungestört arbeiten möchten. Dabei wurde in der Diskussion klar, dass gerade diese Bereiche, in denen absolut ungestörtes Arbeiten möglich ist, ein Alleinstellungsmerkmal von Bibliotheken ist. Und so ein Alleinstellungsmerkmal soll natürlich nicht ohne Not aufgegeben werden. Doch auch die Bedürfnisse der NutzerInnen, die den ganzen Tag in der Bibliothek lernen, sollten berücksichtigt werden. Oft steht die Bibliothek auf einem Campusgelände, auf dem nach Betriebsschluß der Mensa keine Versorgung mehr möglich ist. Die Studierenden bringen sich dann ihr Essen selbst mit und suchen einen Ort, an dem sie Pause machen können, ohne dass sie weite Wege gehen, komplizierte Garderobenschrankschließrituale durchführen oder irgendwo im Flur auf dem Boden sitzen müssen.

So sind wir in der Session vom Thema Essen und Trinken im Lesesaal zu den Themen Lernraum und Zonierung gekommen. Und von dort zu der Frage, wie sich solche verschiedenen Bedürfnisse regeln lassen. Dass wir alle nicht in der Lage waren, zu sagen, was auf einem Schild an der Wand hinter uns steht, hat sehr schön verdeutlicht, wie wenig auf Schilder geachtet wird. Auch waren die meisten TeilnehmerInnen an der Diskussion wenig daran interessiert in ihren Bibliotheken als Sheriffs die Nutzerinnen und Nutzer zu kontrollieren. Aber warum sollte es nicht funktionieren, die Verantwortung für rücksichtsvolles Verhalten an diese zurück zu geben? Beispiele der Kolleginnen und Kollegen, die schon aus verschiedenen Gründen mit wenig Regeln arbeiten scheinen da sehr ermutigend zu sein. So lange die Räumlichkeiten dazu gegeben sind, bilden sich Bereiche aus, in denen konzentriert gearbeitet werden kann und es finden sich Plätze, an denen Gruppen gemeinsam arbeiten können. Und die Erfahrungen zeigen auch, dass es keine großen Probleme mit Verschmutzungen der Bücher durch Essen und Trinken in den Bibliotheken gibt, die es erlauben. Als Anne Christensen diese Themen vor einiger Zeit schon einmal in ihrem Blog angesprochen hat, ist mir bei der Diskussion des Themas in der Bibliothek die Verbindung zum „Shared Space“ im Straßenverkehr aufgefallen. Auch dieser Idee liegt der Gedanke zugrunde, durch weniger Regeln ein rücksichtsvolleres Verhalten der VerkehrsteilnehmerInnen zu bewirken. Durch die Gestaltung des Verkehrsraums sollen die Anregungen zur gemeinschaftlichen Nutzung gegeben werden. In Deutschland gibt es mit Bohmte bisher eine Stadt, die sich an dem EU-Modellprojekt zum Shared Space beteiligt.

Während ich seit einiger Zeit an diesem Artikel schreibe, wird eine ganz ähnliche Diskussion um Regeln in einem Museumsblog geführt. Auch hier vertreten einige der DiskussionsteilnehmerInnen die Ansicht, dass die Umgebung das Verhalten der BesucherInnen lenken soll und weniger Schilder oder Ermahnungen. Dann stellt sich jetzt die Frage, ob und wie es Bibliotheken möglich ist, ihre Räume so zu gestalten, dass sie gemeinschaftlich genutzt werden können.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Bibliothek, Gedanken, Meinungen

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