Nach den Artikeln mit Fernsehtipps jetzt mal ein Beitrag mit Bibliotheksrelevanz. Ein paar ungeordnete Gedanken zu einem Thema, dass mir mehrmals im Studium sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis begegnet ist.
Vor meinem Studium war mir nicht wirklich bewusst, dass es auch zum Beruf einer Bibliothekarin gehört, Bücher systematisch aus dem Bestand zu entfernen. Natürlich kommt jeder mit ein bisschen Nachdenken darauf, dass Bibliotheken nicht unendlich groß sind und für neue Bücher alte weichen müssen. Im englischen Sprachraum spricht man da von weeding - und jäten ist dabei ein wirklich gutes Bild für diese Tätigkeit. Überzähliges und Störendes wird entfernt, damit der Rest des Bestandes Platz und Luft hat, um im besten Licht zu erscheinen. Eine Seite, auf der einige der bemerkenswertesten Auswüchse, die dabei in Bibliotheken gefunden wurden, präsentiert werden, findet sich hier: Awful Library Books.
Auch in meinem Praxissemester in der Schulbibliothekarischen Arbeitstelle der Bücherhallen Hamburg bin ich dem Problem begegnet, das nicht jedes Buch ein Segen für die besitzende Bibliothek ist. Für die Broschüre, in der wir unsere Praktikumseindrücke gesammelt haben, habe ich einen Beitrag dazu geschrieben.
Die Originaldatei dazu ist leider nicht mehr da, daher habe ich den Beitrag eingescannt:Sandra Dahlhoff – Praktikumseindrücke
Aber nicht nur in öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken ist der Umgang mit ausufernden Beständen ein Problem. Ein erinnerungswürdiger Moment meines Studiums war die Präsentation der Projektergebnisse für den Auftraggeber nach dem Projekt im 5. Semester. Dazu waren nicht nur MitarbeiterInnen der Bibliothek sondern auch alle interessierten Universitätsangehörigen geladen. Die Aufgabe unserer Projektgruppe war es, ein Lernortkonzept für die Universitätsbibliothek der Helmut-Schmidt-Universität zu erstellen. Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie ein idealer Lernort aussehen könnte, welche Einrichtungen und Services dazugehören und wie sich das umsetzen lassen könnte. Ein Problem dabei war, das es in der Bibliothek einfach nicht genug Platz für viele unserer Ideen gab. Unser ebenso einfacher wie naiver Lösungsvorschlag war, dass die Bibliothek ihren Bestand an Büchern verkleinern soll. Die Reaktionen darauf waren erhellend. Man hätte glauben können, wir hätten eine öffentliche Bücherverbrennung vorgeschlagen. Dabei haben wir ganz harmlos davon gesprochen, die Bücher auszulagern und noch nicht einmal das Böse L-Wort (Löschen) erwähnt. Die folgende Diskussion drehte sich dann kaum noch um die Ideen, wie ein guter Lernort aussehen könnte, sondern nur noch um unseren unverschämten Vorschlag, Bücher aus der Bibliothek zu entfernen. Wer sich für das ganze Projekt interessiert findet den Projektbericht auf dem Dokumentenserver der HSU-Bibliothek.

