Archiv der Kategorie: Bibliothek

1. Lange Nacht des Schreibens (lnds) in der Bibliothek der Leuphana Universität Lüneburg

Es ist jetzt 11:00 Uhr am 6.7.12 und für mich die Zeit, mein persönliches* Fazit der 1. Langen Nacht des Schreibens an der Leuphana zu ziehen.

Die Nacht war ein voller Erfolg. Wer da war, wird dieses Fazit nicht überraschend finden, die gute Stimmung und arbeitsame Atmosphäre waren die ganze Zeit über greifbar. Das ist beileibe kein Eigenlob, sondern geht direkt an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die mit ihrer guten Laune und ihrem Durchhaltevermögen die Nacht nicht zum Arbeitstag sondern zum Vergnügen gemacht haben. Der Testflug ist nicht nur gestartet, von meiner Seite aus kann es gerne ein Linienflug werden, einmal im Semester bin ich dabei.

Dieser erste Durchlauf hat gezeigt, dass eine Ankündigung wie “Ende offen” wirklich ernst genommen wird. Wir hatten bei der Planung damit gerechnet, dass spätestens um 2 Uhr ein massiver Einbruch erfolgen würde, aber die TN-Zahl nahm nur langsam ab. Wir haben den Arbeitseifer und Energie unserer Nutzerinnen definitiv unterschätzt. Selbst das Eintreffen der ersten Putzfrau in den frühen Morgenstunden (ca. halb vier) hat die Leute, die noch da waren, nicht abgeschreckt. Vielleicht hätte uns schon die Tatsache, dass auch bei den Beraterinnen und Beratern lange keine Ermüdungserscheinungen aufgetreten sind, auf eine echte “Lange Nacht” vorbereiten sollen. Und gerade als wir uns daran gemacht haben, die verbliebenen unermüdlichen Schreiberinnen zum Verlassen der Bibliothek zu bewegen erreichten die Ausläufer des Unwetters Lüneburg. Vielleicht ist es ein Trost für alle, die gehen mussten: auch ich war bis auf die Haut nass, als ich endlich zu Hause war. Um fünf Uhr war die Bibliothek dann aufgeräumt und bis auf die Putzfrauen und den Wachmann verlassen.

Ich neben dem Bildschirm mit Zeit und Datum

In der Gewalt der Schreibwilligen. Lösegeldforderung folgt. Foto: Barbara Zeller

Die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen während der Nacht haben deutlich gemacht, dass neben dem Wunsch nach der Wiederholung dieser Veranstaltung auch ein großes Bedürfnis nach der generellen Ausweitungen der Öffnungszeiten auch noch nach Mitternacht besteht. Natürlich ist das nicht vollkommen überraschend, aber es ist etwas anderes, ob man den Wunsch danach hört und von anderen Bibliotheken liest, die das haben oder ob man nachts um drei durch die Bibliothek geht und überall konzentriert arbeitende Menschen sieht.

 

* Dieser Beitrag ist kein offizielles Statement als Mitarbeiterin des MIZ der Leuphana Universität, sondern gibt meine persönlichen, privaten Eindrücke dieser Nacht wieder. Und er ist nach ca. 3-4 Stunden Schlaf geschrieben, also wahrscheinlich noch ungekämmter als üblich.

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#bkc12 Verantwortung abgeben – Teil 2

Wie schon bei der Session am Morgen, von der ich hier berichtet habe, tauchte auch am Nachmittag auf dem Bib meets Knowledge Camp 2012 das Thema Verantwortung abgeben – nicht ganz unerwartet – wieder auf. Diesmal bei der Session Essen und Trinken im Lesesaal. Es ging in der Session darum, warum Essen und Trinken im Lesesaal nicht erlaubt ist und ob das so bleiben soll. Die meisten TeilnehmerInnen an der Session schienen nicht darauf festgelegt zu sein, Regeln zu behalten, nur weil sie halt bestehen. Aber wir sind trotzdem auf gute Gründe dafür gekommen, dass es Bereiche in der Bibliothek gibt, in denen nicht gegessen und getrunken wird.

Bei diesen guten Gründen geht es nicht um die Angst davor, dass Bücher beschädigt werden könnten, in kaum einer Bibliothek sind durch Speis und Trank beschädigte Bücher ein Problem. Und das, obwohl sicher in den meisten Bibliotheken, wenn auch oft heimlich, gegessen und getrunken wird. Gute Gründe gegen das Essen im Lesesaal sind die Bedürfnisse der anderen BibliotheksbesuchrInnen, die ungestört arbeiten möchten. Dabei wurde in der Diskussion klar, dass gerade diese Bereiche, in denen absolut ungestörtes Arbeiten möglich ist, ein Alleinstellungsmerkmal von Bibliotheken ist. Und so ein Alleinstellungsmerkmal soll natürlich nicht ohne Not aufgegeben werden. Doch auch die Bedürfnisse der NutzerInnen, die den ganzen Tag in der Bibliothek lernen, sollten berücksichtigt werden. Oft steht die Bibliothek auf einem Campusgelände, auf dem nach Betriebsschluß der Mensa keine Versorgung mehr möglich ist. Die Studierenden bringen sich dann ihr Essen selbst mit und suchen einen Ort, an dem sie Pause machen können, ohne dass sie weite Wege gehen, komplizierte Garderobenschrankschließrituale durchführen oder irgendwo im Flur auf dem Boden sitzen müssen.

So sind wir in der Session vom Thema Essen und Trinken im Lesesaal zu den Themen Lernraum und Zonierung gekommen. Und von dort zu der Frage, wie sich solche verschiedenen Bedürfnisse regeln lassen. Dass wir alle nicht in der Lage waren, zu sagen, was auf einem Schild an der Wand hinter uns steht, hat sehr schön verdeutlicht, wie wenig auf Schilder geachtet wird. Auch waren die meisten TeilnehmerInnen an der Diskussion wenig daran interessiert in ihren Bibliotheken als Sheriffs die Nutzerinnen und Nutzer zu kontrollieren. Aber warum sollte es nicht funktionieren, die Verantwortung für rücksichtsvolles Verhalten an diese zurück zu geben? Beispiele der Kolleginnen und Kollegen, die schon aus verschiedenen Gründen mit wenig Regeln arbeiten scheinen da sehr ermutigend zu sein. So lange die Räumlichkeiten dazu gegeben sind, bilden sich Bereiche aus, in denen konzentriert gearbeitet werden kann und es finden sich Plätze, an denen Gruppen gemeinsam arbeiten können. Und die Erfahrungen zeigen auch, dass es keine großen Probleme mit Verschmutzungen der Bücher durch Essen und Trinken in den Bibliotheken gibt, die es erlauben. Als Anne Christensen diese Themen vor einiger Zeit schon einmal in ihrem Blog angesprochen hat, ist mir bei der Diskussion des Themas in der Bibliothek die Verbindung zum “Shared Space” im Straßenverkehr aufgefallen. Auch dieser Idee liegt der Gedanke zugrunde, durch weniger Regeln ein rücksichtsvolleres Verhalten der VerkehrsteilnehmerInnen zu bewirken. Durch die Gestaltung des Verkehrsraums sollen die Anregungen zur gemeinschaftlichen Nutzung gegeben werden. In Deutschland gibt es mit Bohmte bisher eine Stadt, die sich an dem EU-Modellprojekt zum Shared Space beteiligt.

Während ich seit einiger Zeit an diesem Artikel schreibe, wird eine ganz ähnliche Diskussion um Regeln in einem Museumsblog geführt. Auch hier vertreten einige der DiskussionsteilnehmerInnen die Ansicht, dass die Umgebung das Verhalten der BesucherInnen lenken soll und weniger Schilder oder Ermahnungen. Dann stellt sich jetzt die Frage, ob und wie es Bibliotheken möglich ist, ihre Räume so zu gestalten, dass sie gemeinschaftlich genutzt werden können.

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#bkc12 Verantwortung abgeben – Teil 1

Verantwortung abgeben tauchte als zentraler Gedanke bei zwei Sessions auf, die ich auf dem Bib meets Knowledge Camp 2012 in Köln besucht habe. Beide Sessions haben für  mich auch als Augenöffner gedient und dazu geführt, dass ich mein eigenes Handeln im Berufsalltag wieder verstärkt hinterfrage. Die erste der Sessions war openlearningspace am Vormittag, die andere Essen und Trinken im Lesesaal am Nachmittag.

Mit dem Thema open-space learning (Seite der Universität Warwick, wo die Methode entwickelt wurde: http://www2.warwick.ac.uk/fac/cross_fac/iatl/projects/osl-final/) und inverted classroom (Seite zur Inverted Classroom Konferenz Marburg 2012: http://invertedclassroom.wordpress.com/)  habe ich mich erst vor kurzem ein wenig beschäftigt und wurde dabei stark an meine Bachelorarbeit erinnert, wo ich versucht habe,  für die Vermittlung von Informationskompetenz ein WebQuest zu entwickeln. Das alles sind Ansätze, die das Verständnis von Lehren und Lernen von einer hierarchischen Lehrer-Schüler Situation im klassischen Unterricht verändern wollen. Es geht dabei um Formen des kollaborativen Lernens, Vorbild für dieses Verständnis von Lernen sind Situationen von peer-learning, im Fall von open-space learning z. B. der Proben-Workshop beim Theater.

Menschen, die ein gemeinsames Interesse an einem Thema haben tauschen sich darüber aus und erarbeiten sich neues Wissen und Lösungsansätze. Wissen wird nicht mehr von den Wissenden an die Unwissenden immer in eine Richtung weitergegeben, sondern in einem Netz über unterschiedliche Verknüpfungen verteilt.

In der Diskussion während der Session kamen dabei ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die Rollen auf, die wir dabei einnehmen können. Die Rolle der WissensvermittlerInnen, die eine Schulung durchführen, nach der die TeilnehmerInnen etwas gelernt haben, passt dabei nicht mehr.  Doch wie kann die neue Rolle aussehen? Es ging auch um die Hürden, die der vor dem Einsatz neuer Methoden auftauchen können. Das können die vorliegenden Beschränkungen der Ressourcen (Personal, Zeit, Räume) sein, aber auch die fehlende Begeisterung für das Thema “Literaturrecherche.” Die Menschen, die Veranstaltungen der Bibliothek besuchen, tun das in den seltensten Fällen weil Sie alles über uns lernen wollen, die Bibliothek ist für sie ein Mittel zum Zweck. Aber wenn wir Glück haben bringen die NutzerInnen ein Interesse und ein Vorwissen zu ihren Themen mit, das unseres übertrifft. Wir benötigen dann den Mut, uns von unserer Rolle als WissensvermittlerInnen zu lösen und der gesamten Gruppe die Verantwortung für das Gelingen von Lernen zu überlassen.

Wenn man die Grundlagen des open-space learnings ernst nimmt, dann muss man schlussendlich wirklich mit den Menschen, die mit einem im Schulungsraum sind ein Thema gemeinsam erarbeiten. Diese Idee finde ich sehr verlockend. Und jetzt stellt sich für mich die große Frage:  warum gehe ich keine Schritte in diese Richtung? Warum sitze ich immer noch allein vor einer Gruppe und “vermittele Wissen”? Warum lasse ich mich von den Vorgaben zu Zeit, Ort,  Raum,  Stoff ins Bockshorn jagen und versuche nicht mehr zu erkunden, wo Spielräume möglich sind? Ich hoffe, dass sich mir in nächster Zeit die Möglichkeit bietet, für mich neue Wege zu gehen und mein Handeln mehr mit meinen grundsätzlichen Einstellungen in Einklang zu bringen. Und das ich diese Gelegenheiten dann auch erkenne und wahrnehme.

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Zurück im Blog

Nach einer längeren Pause (bedingt durch Jobsuche, Antritt des gefundenen Jobs, Pendelei zwischen Hamburg und Lüneburg und schließlich den Umzug nach Lüneburg) werde ich jetzt wieder aktiver werden.

Für alle die es interessiert, möchte ich einen kleinen Einblick in meine Arbeit bieten:

Zu meiner Arbeit an der Universitätsbibliothek der Leuphana Universität Lüneburg gehört unter anderem die Mitarbeit im IK-Team. Im letzten Jahr haben wir uns im Team zusammen gesetzt und auf Anregung von Anne Christensen, der Dezernentin Benutzungsdienste Drehbuchentwürfe für ein explainity-Video geschrieben. explainity ist ein Projekt, das aus dem Leuphana Innovations-Inkubator entstanden ist. (Auf ihrer Facebookseite könnt Ihr in dem Fotoalbum “Behind the Scenes: Erstellung des Clips ‘Staatsverschuldung’” auf einem Bild auch ein Bücherregal sehen, dass die Früchte meiner Arbeit enthält ;-) ).

Das Thema war, einfach zu erklären, wie in einer Bibliothek nach verschiedenen Publikationstypen gesucht werden kann und wie das im Zusammenhang mit dem Prozess der wissenschaftlichen Publikation steht. Meine Kolleginnen und ich haben uns alle an Drehbuchentwürfen versucht, und dabei gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, einfach zu sein. Besonders, wenn dabei trotzdem alles Wichtige gesagt werden soll. Als Inspiration habe ich mir immer wieder andere explainity Filme angesehen und ernsthaft versucht, die Bibliothekarinnenbrille abzusetzen. Im Büro ist mir das nicht so gut gelungen, dort habe ich aber entschieden, was für mich inhaltlich unbedingt in dem Video vorkommen sollte. Der kreative Geistesblitz ist mir dann auf der Bahnfahrt zwischen Lüneburg und Hamburg gekommen, als mir die Textzeile “Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, dass Marmelade Fett enthält” nicht mehr aus dem Kopf ging. Diese Idee musste dann “nur noch” mit den inhaltlich wichtigen Fakten verbunden werden und voilà! fertig war der Entwurf.

In der Diskussion mit den Kolleginnen stellte sich dann heraus, dass wir wirklich sehr unterschiedliche Ideen entwickelt und dabei auch unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt hatten. Aus den Entwürfen haben wir dann, nach einigen Änderungen und Ergänzungen, zwei an explainity zur Auswahl weitergegeben. Dort hat man sich für meine “Marmeladenversion” entschieden und ich finde das Endergebnis sehr gelungen.

Und hier ist das Ergebnis:

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Weeding

Nach den Artikeln mit Fernsehtipps jetzt mal ein Beitrag mit Bibliotheksrelevanz. Ein paar ungeordnete Gedanken zu einem Thema, dass mir mehrmals im Studium sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis begegnet ist.

Vor meinem Studium war mir nicht wirklich bewusst, dass es auch zum Beruf einer Bibliothekarin gehört, Bücher systematisch aus dem Bestand zu entfernen. Natürlich kommt jeder mit ein bisschen Nachdenken darauf, dass Bibliotheken nicht unendlich groß sind und für neue Bücher alte weichen müssen. Im englischen Sprachraum spricht man da von weeding - und jäten ist dabei ein wirklich gutes Bild für diese Tätigkeit. Überzähliges und Störendes wird entfernt, damit der Rest des Bestandes Platz und Luft hat, um im besten Licht zu erscheinen. Eine Seite, auf der einige der bemerkenswertesten Auswüchse, die dabei in Bibliotheken gefunden wurden, präsentiert werden, findet sich hier: Awful Library Books.

Auch in meinem Praxissemester in der Schulbibliothekarischen Arbeitstelle der Bücherhallen Hamburg bin ich dem Problem begegnet, das nicht jedes Buch ein Segen für die besitzende Bibliothek ist. Für die Broschüre, in der wir unsere Praktikumseindrücke gesammelt haben, habe ich einen Beitrag dazu geschrieben.

Praktikumseindrücke

Sandra Dahlhoff - Praktikumseindrücke

Die Originaldatei dazu ist leider nicht mehr da, daher habe ich den Beitrag eingescannt:
Sandra Dahlhoff – Praktikumseindrücke

Aber nicht nur in öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken ist der Umgang mit ausufernden Beständen ein Problem. Ein erinnerungswürdiger Moment meines Studiums war die Präsentation der Projektergebnisse für den Auftraggeber nach dem Projekt im 5. Semester. Dazu waren nicht nur MitarbeiterInnen der Bibliothek sondern auch alle interessierten Universitätsangehörigen geladen. Die Aufgabe unserer Projektgruppe war es, ein Lernortkonzept für die Universitätsbibliothek der Helmut-Schmidt-Universität zu erstellen. Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie ein idealer Lernort aussehen könnte, welche Einrichtungen und Services dazugehören und wie sich das umsetzen lassen könnte. Ein Problem dabei war, das es in der Bibliothek einfach nicht genug Platz für viele unserer Ideen gab. Unser ebenso einfacher wie naiver Lösungsvorschlag war, dass die Bibliothek ihren Bestand an Büchern verkleinern soll. Die Reaktionen darauf waren erhellend. Man hätte glauben können, wir hätten eine öffentliche Bücherverbrennung vorgeschlagen. Dabei haben wir ganz harmlos davon gesprochen, die Bücher auszulagern und noch nicht einmal das Böse L-Wort (Löschen) erwähnt. Die folgende Diskussion drehte sich dann kaum noch um die Ideen, wie ein guter Lernort aussehen könnte, sondern nur noch um unseren unverschämten Vorschlag, Bücher aus der Bibliothek zu entfernen. Wer sich für das ganze Projekt interessiert findet den Projektbericht auf dem Dokumentenserver der HSU-Bibliothek.

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