Monatsarchiv: April 2012

Epiphanie und Eierviereckigformer

The trouble with the sort of shop that sells things like magnifying glasses and penknives is that they tend to sell all kinds of other fascinating things, like the quite extraordinary device with which Dirk eventually emerged after having been hopelessly unable to decide between the knife with the build-in Philips screwdriver, toothpick and ball-point pen and the one with the 13-tooth gristle saw and the tig-welded rivets.
The magnifying glasses had held him in thrall for a short while, particularly the 25-diopter, high-index, vacuum-deposited, gold-coated glass model with the integral handle and mount and the notchless seal glazing, but then Dirk had happened to catch sight of a small electronic I Ching calculator and he was lost.
He had never before even guessed at the existence of such a thing. And to be able to move from total ignorance of something to total desire for it, and then actually to own the thing all within the space of about forty seconds was, for Dirk, something of an epiphany.

Adams, Douglas (1989): The long dark tea-time of the soul. London: Pan Books. S. 76

Als ich diese Passage vor Jahren gelesen habe, konnte ich mir das beschriebene Gefühl sehr gut vorstellen und habe mir sofort gewünscht, so etwas auch einmal zu erleben. Leider war mir so ein Erlebnis nicht sofort vergönnt, ich musste einige Jahre darauf warten. Aber als es endlich geschah, wurde das Gefühl durch mein Wissen um die literarische Vorlage nur noch gesteigert. Es war auch für mich ein exquisiter Moment der Epiphanie. (Für die LeserInnen, die hier sind, weil sie die Auflösung des Osterrätsels interessiert: es gibt einen Zusammenhang und der Titel verrät eigentlich schon alles.)

Ich war in Marburg auf dem Waggonhallenflohmarkt und habe an einem Stand ein seltsam aussehendes Ding entdeckt:

Eierviereckigformer vor Lüneburger SkylineIch fragte die Standbesitzerin nach dem Nutzen dieses Dings und erhielt die Auskunft, dass es ein Eierviereckigformer sei. Selten habe ich mich mit solcher Begeisterung von 50 Cent getrennt. Das kleine, schwarze Herz hüpfte in meiner Brust. Und dann hatte das Ding auch noch die perfekte Farbe. Orange ist meine Lieblingsfarbe für seltsame Dinge. Ich habe noch andere Lieblingsfarben, aber Orange ist es bei mir für seltsame Dinge.

Und so funktioniert es:

Gekochtes Ei  Ei kochen und pellen

 

 
Einlegeboden für EierviereckigformerBoden einlegen

 

 

 

 

Ei reinEi in den Viereckigformer und die Presse drauflegen

 

 

 

VerschraubenZuschrauben und für einige Stunden in den Kühlschrank

 

 

 

 

Ein viereckiges Ei  Das Ei aufgeschnittenVoilà, ein viereckiges Ei!

 

 

 

Guten Appetit!

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#bkc12 Verantwortung abgeben – Teil 2

Wie schon bei der Session am Morgen, von der ich hier berichtet habe, tauchte auch am Nachmittag auf dem Bib meets Knowledge Camp 2012 das Thema Verantwortung abgeben – nicht ganz unerwartet – wieder auf. Diesmal bei der Session Essen und Trinken im Lesesaal. Es ging in der Session darum, warum Essen und Trinken im Lesesaal nicht erlaubt ist und ob das so bleiben soll. Die meisten TeilnehmerInnen an der Session schienen nicht darauf festgelegt zu sein, Regeln zu behalten, nur weil sie halt bestehen. Aber wir sind trotzdem auf gute Gründe dafür gekommen, dass es Bereiche in der Bibliothek gibt, in denen nicht gegessen und getrunken wird.

Bei diesen guten Gründen geht es nicht um die Angst davor, dass Bücher beschädigt werden könnten, in kaum einer Bibliothek sind durch Speis und Trank beschädigte Bücher ein Problem. Und das, obwohl sicher in den meisten Bibliotheken, wenn auch oft heimlich, gegessen und getrunken wird. Gute Gründe gegen das Essen im Lesesaal sind die Bedürfnisse der anderen BibliotheksbesuchrInnen, die ungestört arbeiten möchten. Dabei wurde in der Diskussion klar, dass gerade diese Bereiche, in denen absolut ungestörtes Arbeiten möglich ist, ein Alleinstellungsmerkmal von Bibliotheken ist. Und so ein Alleinstellungsmerkmal soll natürlich nicht ohne Not aufgegeben werden. Doch auch die Bedürfnisse der NutzerInnen, die den ganzen Tag in der Bibliothek lernen, sollten berücksichtigt werden. Oft steht die Bibliothek auf einem Campusgelände, auf dem nach Betriebsschluß der Mensa keine Versorgung mehr möglich ist. Die Studierenden bringen sich dann ihr Essen selbst mit und suchen einen Ort, an dem sie Pause machen können, ohne dass sie weite Wege gehen, komplizierte Garderobenschrankschließrituale durchführen oder irgendwo im Flur auf dem Boden sitzen müssen.

So sind wir in der Session vom Thema Essen und Trinken im Lesesaal zu den Themen Lernraum und Zonierung gekommen. Und von dort zu der Frage, wie sich solche verschiedenen Bedürfnisse regeln lassen. Dass wir alle nicht in der Lage waren, zu sagen, was auf einem Schild an der Wand hinter uns steht, hat sehr schön verdeutlicht, wie wenig auf Schilder geachtet wird. Auch waren die meisten TeilnehmerInnen an der Diskussion wenig daran interessiert in ihren Bibliotheken als Sheriffs die Nutzerinnen und Nutzer zu kontrollieren. Aber warum sollte es nicht funktionieren, die Verantwortung für rücksichtsvolles Verhalten an diese zurück zu geben? Beispiele der Kolleginnen und Kollegen, die schon aus verschiedenen Gründen mit wenig Regeln arbeiten scheinen da sehr ermutigend zu sein. So lange die Räumlichkeiten dazu gegeben sind, bilden sich Bereiche aus, in denen konzentriert gearbeitet werden kann und es finden sich Plätze, an denen Gruppen gemeinsam arbeiten können. Und die Erfahrungen zeigen auch, dass es keine großen Probleme mit Verschmutzungen der Bücher durch Essen und Trinken in den Bibliotheken gibt, die es erlauben. Als Anne Christensen diese Themen vor einiger Zeit schon einmal in ihrem Blog angesprochen hat, ist mir bei der Diskussion des Themas in der Bibliothek die Verbindung zum “Shared Space” im Straßenverkehr aufgefallen. Auch dieser Idee liegt der Gedanke zugrunde, durch weniger Regeln ein rücksichtsvolleres Verhalten der VerkehrsteilnehmerInnen zu bewirken. Durch die Gestaltung des Verkehrsraums sollen die Anregungen zur gemeinschaftlichen Nutzung gegeben werden. In Deutschland gibt es mit Bohmte bisher eine Stadt, die sich an dem EU-Modellprojekt zum Shared Space beteiligt.

Während ich seit einiger Zeit an diesem Artikel schreibe, wird eine ganz ähnliche Diskussion um Regeln in einem Museumsblog geführt. Auch hier vertreten einige der DiskussionsteilnehmerInnen die Ansicht, dass die Umgebung das Verhalten der BesucherInnen lenken soll und weniger Schilder oder Ermahnungen. Dann stellt sich jetzt die Frage, ob und wie es Bibliotheken möglich ist, ihre Räume so zu gestalten, dass sie gemeinschaftlich genutzt werden können.

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