Verantwortung abgeben tauchte als zentraler Gedanke bei zwei Sessions auf, die ich auf dem Bib meets Knowledge Camp 2012 in Köln besucht habe. Beide Sessions haben für mich auch als Augenöffner gedient und dazu geführt, dass ich mein eigenes Handeln im Berufsalltag wieder verstärkt hinterfrage. Die erste der Sessions war openlearningspace am Vormittag, die andere Essen und Trinken im Lesesaal am Nachmittag.
Mit dem Thema open-space learning (Seite der Universität Warwick, wo die Methode entwickelt wurde: http://www2.warwick.ac.uk/fac/cross_fac/iatl/projects/osl-final/) und inverted classroom (Seite zur Inverted Classroom Konferenz Marburg 2012: http://invertedclassroom.wordpress.com/) habe ich mich erst vor kurzem ein wenig beschäftigt und wurde dabei stark an meine Bachelorarbeit erinnert, wo ich versucht habe, für die Vermittlung von Informationskompetenz ein WebQuest zu entwickeln. Das alles sind Ansätze, die das Verständnis von Lehren und Lernen von einer hierarchischen Lehrer-Schüler Situation im klassischen Unterricht verändern wollen. Es geht dabei um Formen des kollaborativen Lernens, Vorbild für dieses Verständnis von Lernen sind Situationen von peer-learning, im Fall von open-space learning z. B. der Proben-Workshop beim Theater.
Menschen, die ein gemeinsames Interesse an einem Thema haben tauschen sich darüber aus und erarbeiten sich neues Wissen und Lösungsansätze. Wissen wird nicht mehr von den Wissenden an die Unwissenden immer in eine Richtung weitergegeben, sondern in einem Netz über unterschiedliche Verknüpfungen verteilt.
In der Diskussion während der Session kamen dabei ganz unterschiedliche Sichtweisen auf die Rollen auf, die wir dabei einnehmen können. Die Rolle der WissensvermittlerInnen, die eine Schulung durchführen, nach der die TeilnehmerInnen etwas gelernt haben, passt dabei nicht mehr. Doch wie kann die neue Rolle aussehen? Es ging auch um die Hürden, die der vor dem Einsatz neuer Methoden auftauchen können. Das können die vorliegenden Beschränkungen der Ressourcen (Personal, Zeit, Räume) sein, aber auch die fehlende Begeisterung für das Thema “Literaturrecherche.” Die Menschen, die Veranstaltungen der Bibliothek besuchen, tun das in den seltensten Fällen weil Sie alles über uns lernen wollen, die Bibliothek ist für sie ein Mittel zum Zweck. Aber wenn wir Glück haben bringen die NutzerInnen ein Interesse und ein Vorwissen zu ihren Themen mit, das unseres übertrifft. Wir benötigen dann den Mut, uns von unserer Rolle als WissensvermittlerInnen zu lösen und der gesamten Gruppe die Verantwortung für das Gelingen von Lernen zu überlassen.
Wenn man die Grundlagen des open-space learnings ernst nimmt, dann muss man schlussendlich wirklich mit den Menschen, die mit einem im Schulungsraum sind ein Thema gemeinsam erarbeiten. Diese Idee finde ich sehr verlockend. Und jetzt stellt sich für mich die große Frage: warum gehe ich keine Schritte in diese Richtung? Warum sitze ich immer noch allein vor einer Gruppe und “vermittele Wissen”? Warum lasse ich mich von den Vorgaben zu Zeit, Ort, Raum, Stoff ins Bockshorn jagen und versuche nicht mehr zu erkunden, wo Spielräume möglich sind? Ich hoffe, dass sich mir in nächster Zeit die Möglichkeit bietet, für mich neue Wege zu gehen und mein Handeln mehr mit meinen grundsätzlichen Einstellungen in Einklang zu bringen. Und das ich diese Gelegenheiten dann auch erkenne und wahrnehme.
