Monatsarchiv: April 2011

A Song of Ice and Fire

Im März habe ich mich fast zwei Wochen lang nicht viel in dieser Welt aufgehalten. Das ist mir beim Lesen seit sehr langer Zeit nicht mehr passiert und hat mich doch etwas erstaunt.

A Song of Ice and Fire war schon seit einiger Zeit auf meinem Lese-Radar. Es ist mir persönlich von verschiedenen FreundInnen und Bekannten empfohlen worden und auch im Internet ist es immer wieder in Zusammenhängen aufgetaucht, die mein Interesse erregt haben. Das schien wirklich viel versprechender Lesestoff zu sein. Aber ich bin immer nur mit einer gewissen Vorsicht um diese Serie herumgeschlichen. Ich wollte einfach keine neue, unvollendete Fantasyserie anfangen. Das Suchtpotential ist da einfach zu groß und wenn man schon weiß, dass der Stoff sehr schnell erschöpft ist, ist man wirklich selbst schuld an allem was dann passiert.

Dann war ich eines Tages in der englischen Abteilung der Bücherhalle in Hamburg und habe nichts gefunden, das mich gereizt hat, bis ich Game of Thrones in den Händen hielt. Der erste Band einer potentiell großartigen Serie. Ich wusste, dass ich mich in große Gefahr begebe, konnte aber nicht widerstehen. Ich hatte mit meinen Vorahnungen natürlich recht. A Song of Ice and Fire ist das Beste, das ich seit Jahren gelesen habe. Ich konnte nicht aufhören und habe die bisher erschienenen Bände fast ohne Pause verschlungen. Die einzigen Unterbrechungen waren die Trips zur Bibliothek um Nachschub zu besorgen. Beziehungsweise zur Buchhandlung, weil ein Band natürlich ständig ausgeliehen war und ich nicht auf die Vormerkung warten konnte. Am Schluss habe ich mich gefühlt, als wäre ich mit Vollgas vor eine Wand gerast.

Was ist eigentlich so toll an dieser Serie?

  • George R. R.Martin hat eine wirklich überzeugende Welt aufgebaut:  es gibt verschiedenste Kulturen, die sich glaubhaft entwickeln, interessante Landschaften, die eher an realen Landschaften als an Fantasystereotypen orientiert sind, die Fantasywelt ist von realer Geographie  inspiriert. Das gilt auch für die Kultur und Geschichte dieser Welt. Die Übernatürlichen und andersweltlichen Elemente werden allmählich und überzeugend eingeführt. So entsteht eine tolle Mischung von Fremdem und Vertrautem.
  • Die Charaktere sind vielschichtig und die Erzählung folgt geschickt verschiedenen Blickwinkeln.
  • Die spannende Handlung verläuft auf mehreren Ebenen: selbst während man ganz in die Intrigen und Kämpfe um den eisernen Thron hineingezogen wird, bleibt das unbehagliche Wissen im Hintergrund, dass die Kriege und das Leid, die daraus entstehen, nicht die wirkliche Gefahr sind.
  • Die Vorausdeutungen, Rätsel und Prophezeiungen, die werden überzeugend in die Handlung integriert. Sie sind teilweise widersprüchlich und werden unterschiedlich interpretiert. Beides erhöht den Realismus und die Spannung.
  • Sowohl Pathos als auch Humor sind wohl dosiert.

Bevor ich auf einige einzelne Charaktere eingehe, eine kleine Warnung, hier finden sich jetzt vereinzelt kleine Spoiler, Weiterlesen erfolgt also auf eigene Gefahr:

Eine Auswahl meiner Lieblingscharaktere:

  • Arya und Brienne (in geringerem Maße auch Asha): wer mich kennt, weiß, dass ich eine unheilbare Schwäche für wehrhafte Frauen (und Mädchen) habe
  • Tyrion: Intelligenz und Humor kriegen mich auch jedes Mal
  • Littlefinger: ja, auch bei offensichtlichen Schurken
  • Jaime: erst interessanter Bösewicht, dann offenbart er sich als viel facettenreicher
  • Samwell: Ich mag auch sanftere Figuren, und Sam ist intelligent und hat ein gutes Herz, der ideale Freund; außerdem ist er eine gelungene Hommage an einen anderen Sam, den ich auch in mein Herz geschlossen habe

Und wen liebe ich zu hassen:

  • Cersei und ihren widerlichen Sohn Joffrey: selten hat mich der Tod eines Teenagers in der Literatur mich so befriedigt wie Joffreys Ableben und ich kann nur hoffen, dass es seine Mutter auch bald erwischt

Und sonst

  • Caitlyn: natürlich empfinde ich auch Mitleid und eine gewisse Bewunderung, aber wirklich mögen kann ich sie nicht
  • Dany und Jon: ich mag sie beide sehr gern, und warte immer ungeduldig auf ihre Kapitel, aber beide sind zu sehr von Schicksal und Verhängnis umweht, um Nähe zu erzeugen

Soviel zu meinem ersten Eindruck von dieser Serie. Da ich Bücher, die mir gefallen gerne mehrmals lese,bin ich gespannt, ob sich mein Urteil beim Wiederlesen ändert. Und natürlich, wie die Serie weitergeht.

In der Zwischenzeit kann ich mich ja mit Trailern zu der HBO-Serie trösten, die sehr gut aussehen und auf die DVDs warten. Hier ist ein schöner Vorgeschmack vom HBO-youtube-Kanal:

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Weeding

Nach den Artikeln mit Fernsehtipps jetzt mal ein Beitrag mit Bibliotheksrelevanz. Ein paar ungeordnete Gedanken zu einem Thema, dass mir mehrmals im Studium sowohl in der Theorie wie auch in der Praxis begegnet ist.

Vor meinem Studium war mir nicht wirklich bewusst, dass es auch zum Beruf einer Bibliothekarin gehört, Bücher systematisch aus dem Bestand zu entfernen. Natürlich kommt jeder mit ein bisschen Nachdenken darauf, dass Bibliotheken nicht unendlich groß sind und für neue Bücher alte weichen müssen. Im englischen Sprachraum spricht man da von weeding - und jäten ist dabei ein wirklich gutes Bild für diese Tätigkeit. Überzähliges und Störendes wird entfernt, damit der Rest des Bestandes Platz und Luft hat, um im besten Licht zu erscheinen. Eine Seite, auf der einige der bemerkenswertesten Auswüchse, die dabei in Bibliotheken gefunden wurden, präsentiert werden, findet sich hier: Awful Library Books.

Auch in meinem Praxissemester in der Schulbibliothekarischen Arbeitstelle der Bücherhallen Hamburg bin ich dem Problem begegnet, das nicht jedes Buch ein Segen für die besitzende Bibliothek ist. Für die Broschüre, in der wir unsere Praktikumseindrücke gesammelt haben, habe ich einen Beitrag dazu geschrieben.

Praktikumseindrücke

Sandra Dahlhoff - Praktikumseindrücke

Die Originaldatei dazu ist leider nicht mehr da, daher habe ich den Beitrag eingescannt:
Sandra Dahlhoff – Praktikumseindrücke

Aber nicht nur in öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken ist der Umgang mit ausufernden Beständen ein Problem. Ein erinnerungswürdiger Moment meines Studiums war die Präsentation der Projektergebnisse für den Auftraggeber nach dem Projekt im 5. Semester. Dazu waren nicht nur MitarbeiterInnen der Bibliothek sondern auch alle interessierten Universitätsangehörigen geladen. Die Aufgabe unserer Projektgruppe war es, ein Lernortkonzept für die Universitätsbibliothek der Helmut-Schmidt-Universität zu erstellen. Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie ein idealer Lernort aussehen könnte, welche Einrichtungen und Services dazugehören und wie sich das umsetzen lassen könnte. Ein Problem dabei war, das es in der Bibliothek einfach nicht genug Platz für viele unserer Ideen gab. Unser ebenso einfacher wie naiver Lösungsvorschlag war, dass die Bibliothek ihren Bestand an Büchern verkleinern soll. Die Reaktionen darauf waren erhellend. Man hätte glauben können, wir hätten eine öffentliche Bücherverbrennung vorgeschlagen. Dabei haben wir ganz harmlos davon gesprochen, die Bücher auszulagern und noch nicht einmal das Böse L-Wort (Löschen) erwähnt. Die folgende Diskussion drehte sich dann kaum noch um die Ideen, wie ein guter Lernort aussehen könnte, sondern nur noch um unseren unverschämten Vorschlag, Bücher aus der Bibliothek zu entfernen. Wer sich für das ganze Projekt interessiert findet den Projektbericht auf dem Dokumentenserver der HSU-Bibliothek.

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Twitter kann nicht zählen!

Twitter kann nicht zählen

Twitter beherrscht den Zahlenraum bis 10 noch nicht vollständig

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Dahin geht’s

In den letzten Tagen zeichnet sich eine Richtung ab, die dieses Blog nehmen könnte. Ich werde es nutzen, um

  • Empfehlungen und Kritiken zu Medien und Veranstaltungen zu schreiben
  • ungeordnete Gedanken (auch schon ältere), die mir immer wieder kommen, aus meinem Kopf zu bekommen
  • Material, das sich bei mir angesammelt hat zu veröffentlichen
  • Neuigkeiten aus meinem Leben zu teilen

Im Moment habe ich einige Ideen für neue Artikel und auch schon ein paar Entwürfe gemacht. Die werden im Laufe der nächsten 2 Wochen gepostet. Für die Zukunft strebe ich an, ca. einen Beitrag pro Woche zu schreiben. Natürlich nur, wenn das echte Leben nicht dazwischen kommt.

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“Stars of Science” – Eine panarabische Reality-Show – ARTE

Das was in Nordafrika, dem Nahen und dem Mittleren Osten zur Zeit geschieht, erzeugt auch bei uns viele Reaktionen. Leider sind das häufiger Ängste vor Dingen, die für uns gefährlich werden könnten, als echte Anerkennung für die mutigen Leistungen und den schwierigen Wandel, der vor diesen Ländern steht. Wenn nicht gleich vor ,möglicher islamistischer Radikalisierung oder Flüchtlingsströmen, die Europa “überrennen” sollen, gewarnt wird, ist selbst in der positiven Berichterstattung aus diesen Ländern häufig eine gewisse Überheblichkeit und Herablassung zu spüren.  Nach dem Motto: oh jetzt kämpfen diese rückständigen, frauenfeindlichen Moslems für das, was sie unter Freiheit und Demokratie verstehen.

Ein anderer Blick auf die arabische Welt, jenseits von Stereotypen und Aufgeregtheiten, war jetzt auf Arte zu sehen:

“Stars of Science” – Eine panarabische Reality-Show – ARTE.

Es gibt in der arabischen Welt ein Reality-Casting-Format, das ich mir trotz einer Ausgeprägten Castingshowallergie ansehen würde.

Im Gegensatz zu den hier bisher gezeigten Formaten geht es nicht um Äußerlichkeiten und Nichtigkeiten sondern im wissenschaftliche Errungenschaften in Form von Erfindungen.

Der Beitrag auf Arte stellt die Show, ihre Macher und die vier FinalistInnen vor. Mit welchem Aufwand die Show produziert wird und welche Träume und Hoffnungen die TeilnehmerInnen haben wird genauso gezeigt,wie die Spannungen, die  durch so ein Format, dass in unterschiedliche Länder ausgestrahlt wird,entstehen.

Dabei wird auch auf kritische Aspekte eingegangen. Eine Zensur findet, besonders in den Tanzblöcken statt. Es wird auf  konservative Einstellungen Rücksicht genommen und das Frauenbild eines Teilnehmers stellt sich als ausgesprochen befremdlich dar.

Das ist für europäische Wertempfindungen, und auch für meine eigene Einstellung sicher ärgerlich oder sogar verkehrt. Aber trotzdem fiele es mir nicht schwer, zwischen DSDS, Supermodel oder dieser Show zu wählen.

Auf der einen Seite Shows, in denen die Kandidatinnen

  • sich immer noch ein bisschen mehr “sexy” geben sollen und der Ausschnitt, die lasziven Bewegungen oder die nicht mehr vorhandenen Kleidergrößen (Größe 0) über den Erfolg entscheiden
  • ärgerliche angebliche geschlechtstypische Verhaltensweisen (Zickenkrieg, Heulkrämpfe) inszeniert werden
  • und eine Karrierechance vorgegaukelt wird, für die der weitere Schulbesuch eher hinderlich ist.

Auf der anderen Seite eine Show

  • in der es um die Qualität der vorgestellten Erfindungen geht
  • in der das Privat- oder gar Intimleben der KandidatInnen keine Rolle spielt
  • in der das Frauenbild konservativer Gesellschaften herausgefordert wird
  • in der Begeisterung und Annerkennung für Wissenschaft erzeugt werden.

Welches ist wohl die Show, die Mädchen ermutigt, erfolgreich und mutig eine vernünftige Wahl für ihr Leben zu treffen?

Die Sendung kann noch für sieben Tage im Internet gesehen werden:
arte+7

So, das ist der erste Artikel hier, der als kontrovers angesehen werden könnte. Da mein LeserInnenkreis noch nicht so groß ist, und die Kommentare bisher kaum genutzt werden, fürchte ich keine wirklich bösen Kommentare, weise aber darauf hin, dass jeder Kommentar von mir nur dann freigegeben wird, wenn er sachlich und zum Thema ist. My blog, my rules.

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